[Gedanken] Gewalt fängt dort an....

.... wo Wissen aufhört!

 

Dieser Spruch spukt mir schon den ganzen Abend durch den Kopf!

 

Eigentlich wollte ich Euch hier und jetzt von einem tollen und sehr lehrreichen Vortrag berichten, den meine Trainerin heute gegeben hat!

Es war ein Vortrag darüber wie ein Hund lernt! Wirklich äusserst informativ!

 

Aber mich beschäftigen gerade ganz andere Dinge, die dieser Vortrag in mir hervorgerufen hat!

 

Ich weiß ja nicht erst seit gestern dass ich viele Fehler in meiner Erziehung mit Ren gemacht habe aber dass ich ihm und auch am Anfang bei Stimpy, soviel zugemutet habe, dass ist mir leider erst in den letzten 2 Jahren bewusst geworden!

 

Anfangs wusste ich es nicht besser und habe mich darauf verlassen was mir der damalige Trainer geraten hat. Auch habe ich keine seiner Handlungen und Erziehungstips angezweifelt! Ich habe alles brav umgesetzt, was man mir gesagt hat.

Auch bei Stimpy habe ich sehr viel "ertragen". Da hat mir mein Bauchgefühl zwar auch schon gesagt "Moment, hier stimmt was nicht"! Aber anfangs habe ich die Erziehungsmethoden als richtig hingenommen.

 

Nun lerne ich aber seit über 2 Jahren dass man mit diesen Methoden überhaupt nicht weiter kommt und man mit ganz anderen Lernmethoden viel tollere und schönere Fortschritte ZUSAMMEN macht!

An dieser Stelle geht ein unfassbar riesengroßes Dankeschön an Dagmar Spillner von der Osteroder Haustierakademie!

 

Danke dass Du mir die Augen geöffnet und mir einen wunderschönen Weg gezeigt hast, wie man mit seinem Hund zu einem Team heran wächst! Und vielen Dank dass Du Deinen Weg genau so gehst wie Du ihn gehst und uns dabei mit nimmst!

Und auf diesem Weg will ich mich auch bei meinen Hunden entschuldigen.

 

Ren, mein Hasemann!

Es tut mir leid, dass Du in Deiner Welpen- und Junghundezeit literweise Wasser vom Trainer übergekippt bekommen hast, und dass nur weil Du mit Deinem Bruder Spaß hattest! Es tut mir leid dass ich Dich angeschrien habe und Du überhaupt nicht wusstest was los ist! Es tut mir leid dass ich Dich in die Hände eines Menschen gegeben habe, dem ich vertraut habe, der Dich aber anscheinend geschlagen hat! Es tut mir leid dass ich Dich in Hundegruppen geschmissen habe nur damit ich Spaß hatte. Es tut mir leid dass ich Dich jahrelang zum Frisör geschleppt habe und Du erst nach 3 Stunden komplett zugesabbert "erlöst" wurdest.... Und trotz allem bist Du jeden Tag an meiner Seite!!!!!!! Ohne wenn und aber!

 

Und auch an die kleine Stimpy muss ich ein paar Worte richten!

Meine kleine Zaubermaus, es tut mir leid dass ich es zugelassen habe dass Du im Welpenalter genkniffen und geknufft wurdest, mit Flaschen beschmissen und erschreckt wurdest! Und immer wenn Du Hilfe bei mir gesucht hast, ich Dich ignorieren sollte! Mir hat das Herz geblutet! Aber ich wusste es zu dem Zeitpunkt nicht besser! Es tut mir leid dass ich Dir ein Zugstophalsband umgemacht habe nur damit Du nicht mehr so an der Leine ziehst oder dass ich unermüdlich an der Leine geruckt habe. Es tut mir leid für die ganzen Verbote, die uns beiden auferlegt wurden, nur damit ich der "Herr im Haus" bin! Es tut mir leid dass ich nicht erkannt habe dass Du ein junger, an seiner Umwelt sehr interessierter Jagdhund bist und ich Deinen Bedürfnissen nicht gerecht wurde! Und auch Du stehst mir nach wie vor jeden Tag zur Seite obwohl ich Dein Vertrauen missbraucht habe!

Aber zum Glück habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und habe einen anderen Weg eingeschlagen. Den Weg der positiven Bestärkung! Ich hätte niemal nie gedacht dass Training so viel Spaß machen kann, da ich es bis dahin immer als sehr anstrengend empfunden habe.

 

Aber so wachsen wir drei Woche für Woche immer mehr zusammen! Und selbst Ren hat mit seinen mehr als 10 Jahren wieder Spaß am Training gefunden :) Und auch ich lerne immer wieder mehr über mich! Das ist ein tolles Erlebnis!

 

Ein Satz, den Dagmar ans Ende des Vortrages gesetzt hat, lautet:

 

Am Ende eines Hundelebens sollte man so wenig wie möglich bereuen!!!!!!!!

 

Und das werde ich mir sehr zu Herzen nehmen! Denn ich habe nur dieses eine Leben mit den beiden und möchte es ihnen so schön wie möglich machen! Außerdem habe ich für Euch Verantwortung übernommen als ich Euch zu mir geholt habe! Und ich möchte diesen Satz sagen können wenn ihr eines Tages aus meinem Leben gehen müsst!

 

Nun sitze ich hier, Ren links, Stimpy rechts, beide schnarchen und ich weiß dass wir drei noch tolle Dinge schaffen und erleben werden!

 

Danke, ihr 2, für Eure Loyalität und Eure Treue!!!!!!!!

 

 

                                                                                     und von dem Vortrag werde ich ein anderes Mal berichten! Versprochen!

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Alex (Freitag, 27 Mai 2016 06:36)

    Oh Steffi... Danke danke danke, das ist ein soooo toller und ehrlicher Artikel. Ich bin total der positiven Verstärkung verschrieben und weiß genau was du meinst...Ich habe auch Fehler gemacht vor allem bei meinem ersten Hund. Es macht soooo viel Spaß mit gegenseitigem Respekt zu trainieren... Vielleicht nutze ich deinen Artikel als Anstoß und Inspiration zu einem eigenen wenn ich darf.
    Es ist so schön zu sehen das immer mehr Menschen auf diese Art des Trainings schwören. Und soooo unfassbar was unsere Hunde alles ertragen und trotzdem zu uns stehen.
    Mach weiter so ihr seid so ein tolles Team.
    Fühlt euch gedrückt und immer brav bestätigen

  • #2

    Nicole (Freitag, 27 Mai 2016 07:58)

    Liebe Steffi,

    danke für diesen ehrlichen Artikel, der Mut macht. Ich glaube, jeder hat in der Hundeerziehung Fehler gemacht, manche schwerwiegender, andere nicht so sehr. Es dauert, bis man seinen Weg gefunden hat, das merke ich bei uns ja auch.

    Ich finde es super, wie du damit umgehst und hoffe, dass du nach dem Zitat von Dagmar auch wirklich abschließen kannst. Ich bin sicher, Ren & Stimpy haben dir längst verziehen, nur wir Menschen machen uns immer einen unglaublichen Kopf über die Vergangenheit.

    Ganz liebe Grüße
    Nicole

  • #3

    Steffi (Freitag, 27 Mai 2016 08:38)

    @Alex: Dankeschön :)
    Und ja! Nutze den Artikel um die positive Bestärkung weiter in die Welt hinaus zu tragen :)

    @Nicole: Vielen lieben Dank! Und ja, Du hast Recht! Manchmal muss man Vergangenes ruhen lassen... ich arbeite an mir :)

  • #4

    Andrea (Freitag, 27 Mai 2016 09:25)

    Liebe Steffi,

    als ich vor fast 40 Jahren mit dem Reiten angefangen habe, ging es mir ganz genau so. Nur damals waren positive Trainingsmethoden nicht sehr weit verbreitet, geschweige denn gab es Trainer in der näheren Umgebung, die das praktizierten. Irgendwann dachte ich mir, wenn es nur so zu gehen scheint, dann hörst Du auf mit den Pferden und ab da taten sich viele ganz wunderbare Türen auf, auf eine liebevolle vertrauensbildende Art mit Pferden zu kommunizieren.

    Warum ich das schreibe? Nun ganz einfach, Kim und jetzt auch Linda blieben negative Erfahrungen dieser Art erspart. Ich hatte meine Lektionen bereits gelernt... ;)

    Ich schau mir gerne an, was Hundeleute zu sagen haben und was für Ideen sie haben. Aber auf "DIE Methode" schwöre ich eh nicht. Ich ziehe mir immer raus, was mir gefällt und zu uns passt und vor allen Dingen kein Leid anrichtet. Und damit fahre ich schon seit Jahren sehr gut...

    Sehr schön geschrieben!

    LG Andrea mit Linda

  • #5

    Miri (Freitag, 27 Mai 2016 09:32)

    Schnüff... Danke für diese herzlichen und ehrlichen Worte.
    Das wunderbare an unseren Hunden ist, dass sie im hier und jetzt leben, dass sie schlechtes Gewissen nicht kennen und ein riesiges Herz haben. Sie haben Dir schon längst "verziehen" (sorry - vermenschlicht) ;-)
    Genießt Eure wunderbare Zeit zusammen!

  • #6

    Sandra (Freitag, 27 Mai 2016 10:36)

    Liebe Steffi,

    ich bin sicher, dass deine zwei Jungs dir das längst vergeben haben. Schön, dass ihr nun einen perfekten gemeinsamen Weg gefunden habt. Irgendwie hab ich immer auf mein Bauchgefühl gehört. Jenny war der perfekte Hund für einen Anfänger. Sie wollte gefallen und ich musste nicht viel machen. Ich kann gar nicht mehr sagen, ob ich jemals mit ihr so richtig geschimpft habe. Außer Leckerchen, streicheln, schmusen und viele schöne Momente hab ich keine Erinnerungen an sie. Den schrecklichen Tod verdränge ich weitgehend.

    Rocky war anders, der war stürmisch, der war quirlig und frech. Aber er war eben ein ganz anderer Typ. Wir hatten anfangs kleine Differenzen, die wir aber schnell geklärt hatten und dann bin ich mit ihm in den Verein, in dem ich immer noch bin. Seitdem arbeite ich viel mit Clicker und unglaublich viel Einfühlungsvermögen.

    Dieses Training hab ich auch bei Shiva von Anfang an durchgeführt. Ich musste erst ihr Vertrauen gewinnen und gegen ihre unzähligen Ängste vorgehen. Nachdem wir nun allmählich ein richtig gutes Team werden, glaube ich, dass wir unseren Weg gefunden haben und dieser führt auch über positive Bestärkung, clickern und viel viel Spaß zusammen. Die einzige Situation, wo ich sie mit der "Wasserspritzpistole malträtiere" ist ihr bescheuertes Wespenschnappen... Allmählich wird auch das besser. ;)

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

  • #7

    Socke-nHalterin (Freitag, 27 Mai 2016 14:23)

    Ich bin sehr berührt von Deinem Beitrag... Ich weißaber sicher, dass deine Hunde sich keine Gedanken mehr über all diese Dinge machen. Sie sind froh, an Deiner Seite zu sein und freuen sich über die gemeinsame Entwicklung.

    Ich bin froh, dass ich nicht alles gemacht habe, was man mir gesagt hat. Wenn mein Bauch sagte, nein, dann war es uns egal.... Ich bin aber immer zu ungeduldig mit Socke gewesen, habe nicht verstanden, dass sie Zeit zum Überlegen und Verstehen braucht. Insofern habe ich zu schnell aufgegeben. Vielleicht habe ich soe auch manchmal überfordert.....

    Aber alles, was ich getan habe, dass habe ich immer in der besten Absichten getan. Ich hoffe, dass Socke mir das alles verzeiht...

    Viele liebe Grüße und danke für den schönen Beitrag
    Sabine mit Socke